Bar Leaders Roundtable - "Covid-19 - An Issue of the Legal Profession"

Am 09.06.2020 lud die Bundesrechtsanwaltskammer zur internationalen Online-Konferenz, der Bar Leaders` Roundtable, die unter dem Motto „Covid-19 – An Issue of the Legal Profession“ stand. In zwei Themenblöcken wurde von acht Panellisten aus Europa, Nordafrika und Asien zunächst die Frage erörtert, wie sich die politische Arbeit der Anwaltsorganisationen als Interessenvertretung der Anwaltschaft während der Krise akut verändert hat. Die Teilnehmer warfen anschließend einen Blick auf die Veränderung der anwaltlichen Tätigkeit im Zuge von Covid-19.

Der runde Tisch erfreute sich reger Teilnahme. Knapp 100 Teilnehmer aus 50 Ländern schalteten sich zu, darunter Kammerpräsidenten von nationalen Anwaltsorganisationen aus fernen Ländern wie Kasachstan und Usbekistan, aber auch aus Marokko, Japan und Vietnam. Supranationale Organisationen waren ebenfalls digital anwesend. Vertreter des Council of Bars and Law Societies of Europe, der LAWASIA, eine der wichtigsten überregionalen Anwaltsorganisation aus der Region Asien-Pazifik, der Union International des Avocats sowie der Arab Lawyers Union beteiligten sich an dem Austausch.   

 

Durch die Veranstaltung führte RAuN Dr. Ulrich Wessels, Präsident der Bundesrechtsanwaltskammer. Christine Féral-Schul, Präsidentin des French National Bar Counsil, Prof. Dr. Piotr Kardas, Vizepräsident des Polish Bar Council sowie Franz Knüppe, Präsident der Netherlands Bar, gaben Einblicke in die aktuelle Lage in ihren Ländern. Es folgten weitere Vorträge von Melissa Pang, Präsidentin der Law Society of Hong Kong, Konstantin Dabrynin, State Secretary and Council Member der Russian Federal Bar Association und Hakim Bekhiti, Liaison Officer der Bar Association of Algiers. Die Beitragsrunde schloß mit Berichten von  Eric Cheng, Liaision Officer der Taiwan Bar Association und Jarrko Ruohola, dem Präsidenten der Finnish Bar Association. 

Die Vorträge der Referenten belegten eindrucksvoll, dass die Anwaltschaften der verschiedenen Länder vor ganz ähnlichen Herausforderungen stehen. So wurde berichtet, dass die Gerichte in allen Jurisdiktionen vorübergehend geschlossen oder auf Notbetrieb heruntergefahren wurden. Der überwiegende Teil bereits anberaumter Gerichtsverhandlungen wurde abgesagt. Damit lag und liegt teilweise immer noch ein eingeschränkter Zugang zum Recht – und damit eine Beeinträchtigung rechtssuchernder Bürgerinnen und Bürger - vor. Die Anwaltsorganisationen haben sich dieser Herausforderung gestellt und sich für den Erhalt der Mindeststandards an Rechtsstaatlichkeit auch in Krisenzeiten eingesetzt.

 

Wie die kürzlich durchgeführte Umfrage der BRAK für die Situation in Deutschland gezeigt hat, erleben die Anwälte auch in anderen Jurisdiktionen erhebliche Umsatzeinbußen. Vor allem Strafrechtler und Pro-Bono-Anwälte leiden unter den Folgen der Corona-Maßnahmen. Ausnahmslos alle Anwaltsorganisationen haben sich für eine finanzielle Unterstützung der Anwaltschaft in ihren Ländern eingesetzt. Allerdings ergab eine während der Online-Konferenz durchgeführte Umfrage, dass diese Hilfen nur einen Tropfen auf den „heißen Stein“ darstellen. So gaben 50% der Befragten an, dass gerade kleine Anwaltskanzleien und Einzelanwälte  mit langfristigen Liquiditätsengpässe zu kämpfen haben werden. 46 Prozent der Teilnehmer gingen davon aus, dass die Schäden zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar seien. Nur 4 Prozent der Befragten schätzten, dass die finanziellen Hilfen der einzelnen Jurisdiktionen die Schäden werden abfedern können.

Aber auch eine nach Einschätzung der Teilnehmer positive Entwicklung war in allen Ländern zu verzeichnen: rasante Entwicklungen im Bereich digitaler Kommunikation. 94% der Befragten gaben an, dass die Krise Chancen für Fortschritte in den Bereichen E-Justice und Digitalisierung mit sich gebracht hat.

Trotz der doch überwiegend starken Beeinträchtigungen bleiben die Anwaltschaften davon überzeugt, dass sich die Lage spätestens 2021 wieder stabilisieren und normalisieren wird. Dann werden voraussichtlich auch internationale Reisen wieder erlaubt und persönliche Treffen wieder möglich sein.

„Der Runde“ Tisch war die erste internationale Veranstaltung der BRAK dieser Art und insbesondere dieser Größe. Es ist erfreulich, dass es in sehr kurzer Zeit gelungen ist, derart viele hochrangige Gäste und Redner zu gewinnen und einen Austausch von Anwaltschaften aus aller Welt zu den Krisenerfahrungen zu ermöglichen – trotz oder vielmehr gerade wegen Corona. Die BRAK wird sich auch in Zukunft um regen Erfahrungsaustausch mit internationalen Kolleginnen und Kollegen bemühen.

 
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